Karate-Bewegungen sind Ganzkörperaktionen. Eine große Rolle im Karate spielt das physisch und psychische Kraftzentrum (jap. Hara), welches auch als Schwerpunkt oder Mitte des Menschen bezeichnet wird. Karate ist ein kontaktloser Kampfsport. Kampfsysteme, deren Wettkampfordnung die Trefferwirkung gestattet oder beabsichtigt, fallen nicht unter Karate im traditionellen Verständnis. Notwendig für die Karatetechnik ist daher die Fähigkeit, Angriffstechniken vor der Trefferwirkung zu stoppen.
Karate-Wettkämpfe nach sportlichen Regeln finden in zwei Disziplinen statt:
Die Kata (jap. Form), eine festgelegte Technikkombination gegen mehrere imaginäre Gegner und das Kumite (jap. Zweikampf). Beides getrennt nach Altersklassen und Geschlecht.
Wettkampfsysteme, die als Leichtkontakt- und Vollkontakt-Karate bezeichnet werden, haben mit Karate wie oben beschrieben nichts zu tun. In diesen Wettkämpfen wird teilweise nach boxähnlichen Regeln gekämpft.
Der Weg des Karate begann als Faustkampf und führt von Indien im 4. Jahrhundert nach China; von dort im 14. Jahrhundert als Top-de (jap. China-Hand) auf die japanische Insel Okinawa. Hier bildeten sich regionale Schulen, auf denen die Heutigen, erst im 19. Jahrhundert ausgeprägten und systematisierten Stilrichtungen zurückgehen. Man unterscheidet grob zwei Richtungen:
Shorin-Ryu = Nordchinaschule, gekennzeichnet durch lange Techniken und tiefe Stände sowie
leichte, schnelle Bewegungen mit natürlicher Atmung und als zweites
Shorei-Ryu = Südchinaschule, mit kürzeren Techniken und hohen Ständen sowie kraftvolle oftmals langsame Bewegungen mit betonter Atmung.
Aus diesen beiden Hauptrichtungen sind weitere Stilrichtungen hervorgegangen wie auch der Shotokan-Stil. Shoto war Funakoshis Künstlername was soviel wie "das Rauschen der Kiefernwipfel" bedeutet. Die Trainingshalle in der Funakoshi lehrte wurde dann 1939 Shotokan genannt und bildete so den Namen für diesen Karatestil.
Meister Gichin Funakoshi gilt als Vater und Begründer des modernen Karate und er gehörte zu den großen Experten der okinawanischen Kampfkunst. Karate kam 1954 über Frankreich nach Europa und 1957 nach Deutschland.
Ursprung und Philosophie |
Karate entstand vor mehr als tausend Jahren, als der buddhistische Mönch und Begründer des Zen, Daruma (Boddhidarma oft auch Bodhidharma geschrieben), im Kloster Shao Lin in China lebte. Er unterwies seine Schüler in körperkräftigenden Übungen, die Ausdauer und Stärke verleihen sollten, denn die harte Disziplin ihrer Religion verlangte eine kräftige Konstitution.
Diese Körperschule wurde dann weiterentwickelt und als Shao-Lin-Kampfkunst bekannt. Chinesen brachten sie später -im 13. Jahrhundert- nach Okinawa, wo sie sich mit den einfallsreichen Kampftechniken dieser Insel vermischte.
Als der Herrscher des Inselreiches und der spätere Feudalherrscher von Kagoshima den Waffenbesitz verbot, förderte er ungewollt die Entwicklung des "Kämpfens mit leeren Händen" als Selbstverteidigung. Diese Budo- oder Kampfkunst wurde aufgrund ihrer chinesischen Herkunft Karate genannt, geschrieben mit den Schriftzeichen, die wörtlich "chinesische Hand" besagten. Der moderne Meister dieser Kunst, Gichin Funakoshi, der 1955 im Alter von 88 Jahren starb, änderte die Schriftzeichen in der Weise, dass sie nunmehr -bei gleicher Aussprache- "leere Hände" bedeuteten. Gichin Funakoshi wählte diese Deutung bewusst wegen ihres Sinngehaltes in der zen-buddhistischen Philosophie. Für den Meister war Karate eine Kampfkunst, gleichzeitig aber auch ein Weg ("Do"), den Charakter zu formen. Er schrieb: "So, wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein Inneres leer machen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln. Das ist mit kara oder "leer" im Karate gemeint."
Viele unterschiedliche philosophisch-religiöse Lehren haben Einfluss auf das Karate genommen, so z.B. Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Shintoismus und Zenbuddhismus, auch wenn sie heute nur noch unterschwellig vorhanden sind. Aber "der im chinesischen Shaolinkloster durch Bodhidharma verbreitete Zen-Buddhismus (von chin. Chan, ind. Dhyana = Versenkung) hat den grössten Einfluss aller religiös-philosophischen Lehren auf das Karate genommen. Absichtslosigkeit und Spontaneität im Tun, vollständige Verneinung irgendwelcher Dogmatik sowie keinerlei Fixierungen auf Autoritäten, sondern Betonung der je individuellen inneren Erfahrung, die man (auch) durch Zazen, das stille Sitzen im Lotussitz bei halbgeöffneten Augen, erwerben kann, sind seine Charakteristiken. Nicht Abtötung der Sinne zur Vorbereitung auf das Jenseits, sondern ihre immer deutlichere Schärfung zur umfassenden bewussten Erfahrung des Hier und Jetzt sind seine Inhalte, die mit paradoxen Mitteln in "zielgerichteter Ziellosigkeit" angestrebt werden. "Der Weg ist das Ziel", "Zen beginnt mit dem, was Du gerade tust", "Tue das, was Du tust, ganz" lauten typische Aussprüche über Zen. Die verobjektivierenden und das "Ich" vom Weltganzen isolierende Tätigkeiten des Intellekts soll in logisch nicht lösbare Widersprüche verwickelt und dadurch überwunden werden zugunsten einer schliesslich spontan und natürlich erfolgenden, alles überwältigenden Erleuchtung (Satori). Dazu soll der Geist von allen Inhalten, letztlich auch von dem Willen, die Erleuchtung zu erlangen, befreit und "leer" gemacht werden: "Es sei kein Hauch zwischen Denken und Tun!"
Die Sinne zur Selbst- und Fremdwahrnehmung werden geschärft, der Geist (=Bewußtsein) von allen inneren und äusseren ablenkenden Einflüssen entleert, so dass er nur noch die Realität, so wie sie sich in der momentanen Situation darstellt, widerspiegelt. Dabei ist es möglich, jede Schrecksekunde, die immer ein Haften am "Ich" voraussetzt, auszuschalten und eine so grosse realitätsgerechte Handlungspontanität zu erreichen, dass in der Tat "kein Hauch mehr ist zwischen Denken und Tun" ist. Dies alles sind natürlich überragende Eigenschaften für einen Kämpfer...
Die Trainingsmethodik, sich in unzähligen Wiederholungen von Technikserien einer Idealtechnik anzunähern, dabei den Umweg über den Intellekt zu vermeiden, und schliesslich eine spontane, automatisierte und unglaublich schnelle Karatemotorik zu erreichen, hat sicherlich ihre Wurzeln im Zen...
Die "leere Hand" (=Karate) und der "leere Geist des Zen sind dann in einem "Weg" (=Do) vereint. Dann kann man zu Recht sagen, Zen und Karate sind eins."
Entwicklung des Shotokan-Stil |
In der Zeit von 1922 bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Japan zwar bereits einige Karateschulen (Ryu), aber keine Verbände im Sinne von organisatorisch und verwaltungsmäßig geschlossenen Institutionen. Es gab zwar den “Nihon Karate-Do Shotokai” als Vereinigung der FUNAKOSHI-Schüler, das war aber kein Verband im heutigen Sinne.
Die “Japan Karate Association” (JKA), wurde 1955 von MASATOSHIÂ NAKAYAMA gegründet, der auch viele Jahre ihr Chefausbilder war.Sie war der erste Karateverband in Japan. Weitere Verbände der anderen Stilrichtungen entstanden bald darauf. Diese schlossen sich 1964 zusammen. (anläßlich der Olympiade in Tokio, unter maßgeblichem Einfluß des berühmten und geachteten Karatemeisters GOGEN YAMAGUCHI , zur “Federation All Japan Karate-Do Organisations” (FAJKO). Unter der Federführung dieser Organisation entstand dann ein Weltverband,(WUKO), die “World Union of Karate-Do Organisations”, dem alle Stilarten angeschlossen waren.
Die JKA gründete bald darauf einen eigenen, vorwiegend auf die Stilart Shotokan bezogenen Weltverband, die “International Amateur Karate Federation” (JAKF). So existierten nun jahrelang zwei Weltverbände (und entsprechend verschiedene nationale Verbände in den einzelnen Ländern) nebeneinander mit jeweils eigenen nationalen und internationalen Meisterschaften. Dieser Zustand änderte sich erst grundlegend, als im Zuge der Bestrebungen, olympische Sportart zu werden, das Internationale Olympische Komitee (IOC), nach mehrere vergeblichen Versuchen, die beiden Weltverbände zur Einigung zu bringen, der WUKO die Anerkennung gab. Das war der entscheidende Beschluß, denn sofort traten alle bedeutenden Länder aus der JAKF aus und in die WUKO ein.
Trotzdem ist die JKA der größte Shotokan-Verband und in seiner Lehrmeinung (Chefausbilder M. NAKAYAMA) für viele Shotokan-Karatekas auf der Welt maßgeblich.
Das Schriftzeichen für Karate |
Wie wir schon weiter vorne erfuhren, verwies die alte Schreibweise für Karate deutlich auf die chinesische Abstammung dieser Kampfkunst. Lange Zeit war diese alte Schreibweise auf Okinawa gebräuchlich. 1906 brach der Karatemeister CHOMO HANAGIÂ zum erstenmal mit dieser traditionellen Schreibweise und gebrauchte das Schriftzeichen für “leer”, das auch ”Kara” gelesen wird, in seinem Buch “Karate Soshu Henâ”. Im Oktober 1936 fand unter der Schirmherrschaft der Zeitung “Ryukyu Shimpo” ein Treffen der großen Karatemeister Okinawas statt. YABU, KIYAMU, MOTOBU, MIYAGI und HANAGI trafen sich in Naha, um unter anderem auch über dem Gebrauch des Tang-Symbols in der Schreibweise des Karate zu diskutieren. Dabei wurde entschieden, daß in Zukunft die Schreibweise für “Kara”, die “leer” bedeutet, gebraucht werden solle, da der Begriff der “Leere” in der Zen-Philosophie große Bedeutung hat.
Gichin Funakoshi schreibt in seinem Buch “Karate-Do-Kyohan”, das 1936 erschien, daß diese Kampfkunst aus Okinawa nun eine japanische Kriegskunst sei und daß es deshalb unpassend, ja sogar in gewissem Maße abwertend sei, die alte Schreibweise die so deutlich auf China als Ursprungsland verweist, weiter zu verwenden.
Wesen der Kampfkunst |
Wie die polierte Oberfläche eines Spiegels alles widerspiegelt, was davor steht und ein ruhiges Tal auch leise Töne widerhallt, so soll der Karateschüler sein Bewußtsein von Egoismus und Bosheit entleeren, damit er auf alles, was ihm begegnet, richtig reagieren kann. Das ist die Bedeutung von Kara oder leer in Karate."
Im Karate gibt es keinen ersten Schlag
Entwicklung des Wortes Karate-Dô |
|
In den Anfängen gab es mehrere Bezeichnungen für die heute so bekannte Kampfkunst Karate-Do. Diese waren Okinawa-Te, Tode oder auch einfach nur Te. Mit der Zeit erfolgte schließlich eine Wandlung des Wortes Tode in Karate-Do. Diese Bezeichnung entstand wohl im Jahre 1929 und soll damals von Meister Gichin Funakoshi eingeführt worden sein.
Mitentscheidend für die Wandlung war die Aussprache. Die Silbe To im Wort Tode kann auch als Kara ausgesprochen werden und De hat die gleiche Bedeutung wie Te. Aus Tode entstand das Wort Karate. Anfangs hatte das Schriftzeichen Kara die Bedeutung China, wurde jedoch aus mehreren Gründen in Leer geändert. Zum einen war es der philosophisch-moralische Sinngehalt der Silbe Leer, zum anderen sollten die Assoziationen zu China vermieden werden, wegen des japanischen Nationalismus jener Zeit. Und nicht zuletzt sollte der Aspekt der Waffenlosigkeit hervorgehoben werden.
Der Gruß ( Rei) im Karate-Dô |
Das An- und Abgrüßen vor und nach dem Training ist allgemein bekannt. Doch warum wird es praktiziert und wie sollte es aussehen? Warum grüßen wir den Partner oder das ´? Welchen Sinn hat überhaupt der Gruß? In allen Kampfkünsten, die sich mit dem Oberbegriff Budo zusammenfassen lassen, ist der Begriff Rei bekannt. Rei stellt eines der wichtigsten Verhalten innerhalb und letzt endlich auch außerhalb des Dôjô´ dar. Der Begriff Rei wird meist mit Gruß übersetzt und hat seinen Ursprung einmal im Wort Kei-Rei (Gruß, Verbeugung) und stammt zum anderen von Rei-Gi (Höflichkeit, Verhalten) ab. Der Gruß selber besteht immer aus einer Verbeugung und wird meist noch von einem Grußwort (=OSS) begleitet. Rei wird in den verschiedensten Situationen z.B. beim Betreten oder Verlassen des Dôjô´ beim An- und Abgrüßen vor bzw. nach dem Training oder beim Partnertraining angewendet. Es gibt zwei Arten des Rei:
Ritsu-Rei:
Die Person verbeugt sich mit Musubi-Dachi mit angelegten Händen an den Oberschenkeln im Stehen. Meistens beim Betreten bzw. Verlaßen des Dôjô´ oder für den Gruß zum Partner
Za-Rei:
Im Kniesitz werden beide Hände vor dem Körper in Dreiecksform auf den Boden gelegt, so daß sich die Fingerspitzen berühren. Anschließend wird die Stirn zum Gruß in Richtung Handrücken geführt, bis sie sich kurz berühren.
Rei drückt gegenseitiges Vertrauen, guten Willen, Verständnis und Achtung des Übungspartners, sowie Respekt und Lernbereitschaft aus. Es soll beim Betreten des Dôjô´ zeigen, das der Schüler bereit ist sich weiter zu entwickeln. Es zeigt auch das er die Kampfkunst mit allem was dazugehört so akzeptiert wie sie ist, und wirkt damit in positiver Weise auf das Miteinander ein. Im Dôjô´ soll durch Rei die Haltung gegenüber anderen trainiert werden, und damit das Verhalten außerhalb des Dôjô´, also im richtigen Leben, gelenkt werden.
Meister Gichin Funakoshi betonte dieses immer wieder aufs Neue: "Ohne Höflichkeit geht der Wert des Karate - Dô verloren"
Karate-Do ist eine Kampfkunst, deren tieferen Sinn sich auf das ganze Leben bezieht, so weitet sich der Sinn dieses Satzes so weit aus,daß ohne Höflichkeit auch Wert des Lebens verloren geht.
20 Paragraphen des Karate Do |
1. Vergiß nie: Karate beginnt mit rei und endet mit rei. (rei bedeutet: Respekt, Höflichkeit)
2. Im Karate gibt es kein Zuvorkommen. (Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.)
3. Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
4. Erkenne dich selbst zuerst, dann den Anderen.
5. Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
6. Lerne, deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann von Unnützen.
7. Unheil entsteht durch Nachlässigkeit.
8. Karate ist nicht nur im Dôjô´
9. Die Ausbildung im Karate umfasst Dein ganzes Leben
10. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.
11. Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig wärmst.
12. Denke nicht ans gewinnen, doch denke darüber nach, wie du nicht verlierst.
13. Wandle dich, abhängig von deinem Gegner
14. Der Kampf hängt von der Handhabung deiner Treffsicherheit ab
15. Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor
16. Wenn man das Tor der Jugend verläßt, hat man viele Gegner
17. Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Einsteiger, später gibt es den natürlichen Zustand
18. Übe die Kata korrekt, im echten Kampf ist das eine andere Angelegenheit
19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung
20. Denke immer nach und versuche dich ständig, am Neuen.
Nach Gichin Funakoshi, Begründer des modernen Karates
Das An- und Abrußritual |
Jeder, der einmal ein Karate-Do Training miterlebt oder gesehen hat, kennt das An- und Abgrüßen vor und nach dem Training. In Jedem Dôjô´ wird es praktiziert. Es gibt im Prinzip nur zwei Basisformen; Einmal den Gruß im Stehen (Ritsu-Rei) und einmal den Gruß im Kniesitz (Za-Rei). Während die Ritsu-Rei-Variante einen "schnellen" Gruß darstellt und überall gleich ist, ist der Gruß im Za-Rei doch oft sehr unterschiedlich zu sehen. Um zumindest eine Art dazustellen zu können, wird hier die allgemein altüberlieferte Variante des Grußes im Za-Rei dargestellt. Nachdem sich Meister und Schüler mit dem Gesicht zueinander in den Kniesitz gesetzt haben, wird zuerst ein Moment der Stille, das sog. Mokuso praktiziert. Hier soll sich der Karateka frei mach von allem Weltlichem, allen Ängsten und Problemen des alltäglichen Lebens und seine Konzentration auf das Karate-Do richten. Nach dieser Meditation werden im Allgemeinen drei Grußarten durchgeführt, die jeweils beim An- sowie Abgrüßen in dieser Reihenfolge ausgeführt werden:
|
Shomen ni Rei |
Ist der erste Gruß, der unmittelbar nachmeditativen Phase ausgeführt wird. Hierbei dreht sich der Sensei (immer noch im Kniesitz)so herum, dass er mit dem Rücken zu den Schülern sitzt und verbeugt sich mit ihnen nach vorne. |
|
Sensei ni Rei |
Ist der zweite auszuführende Gruß.Der Lehrer dreht sich nun wieder zu seinen Schülern um und verbeugt sich zu ihnen wobei die Schülerselber sich vor ihm verbeugen. |
|
Otagai ni Rei |
Ist der letzte Gruß am Anfang und Ende des Tranings, bzw. ein Gruß innerhalb des Trainings der Übenden zueinander. Dieser Gruß steht als für die Hilfe eines Mitübenden oder auch zur höflichen Begrüßung von mitübenden Gästen im Dôjô´. |
Sehr bedeutsam für die Grußformen ist besonders die Ausführungsart, also die ehrliche Absicht den Gegenüber, die Ahnen, das Dôjô´ oder entsprechende Personen zu Grüßen. Ein kurzes Kopfnicken oder hektisches Verbeugen zeigt genau das Gegenteil eines echten Grußes, denn der zu Grüßende wird hiermit nur zu einem lästigen oder nur für die Eingene Person nutzbringendem Ding degradiert.
Grundstellungen |
In jeder Kampfkunst gibt es eine Vielzahl von Grundstellungen, mit denen sich der Schüler nach und nach vertraut macht, sie aber anfangs als eher unpraktisch, anstrengend oder sogar lästig empfindet. Dabei erfüllen diese Grundstellungen einen wichtigen Zweck, nämlich den Ausführenden im Endpunkt seiner Bewegung zu stabilisieren und ihm damit eine effektive Technik zu ermöglichen.
Auch im Karate-Do gibt es eine Vielzahl von Grundstellungen, die sich erst einmal grob in drei Gruppen bezüglich ihres Schwerpunktes einteilen lassen. Als erstes sind das die Stellungen, bei denen der Schwerpunkt des Körpers in der Mitte liegt. Der bekannteste Vertreter ist wohl der Kiba-Dachi. Bei den anderen beiden Arten liegt der Schwerpunkt entweder vorne oder entsprechend hinten. Hier sind die bekanntesten Stände der Zenkutsu-Dachi und der Kokutsu-Dachi.
Befaßt man sich genauer mit der Ausführung der jeweiligen Stände, so läßt sich ein gravierendes Problem feststellen. Wird ein Stand sehr tief ausgeführt, so stellt er eine stabile und kraftvolle Endstellung dar. Allerdings läßt sich nun eine Folgebewegung in einen anderen Stand nicht mehr schnell genug ausführen. Der tiefe Stand, der dem Karateka also Stabilität geben soll, nimmt ihm gleichzeitig seine Beweglichkeit. Für einen hohen Stand gilt der umgekehrte Fall. Der Karateka wird nicht durch den Stand geblockt und ist somit schnell beweglich, muß aber dafür einen Teil seiner Stabilität einbüßen.
Hier einen geeigneten Mittelweg zu finden, der auch noch der jeweiligen Situation angepaßt ist, ist eine Aufgabe, die den Karateka sein ganzes Leben lang begleitet. Denn mit steigendem Alter verändern sich auch seine Stände. Sie passen sich nicht nur den jeweiligen körperlichen Beschränkungen an, sondern werden auch durch die wachsende Erfahrung des Karateka, der immer mehr seine individuellen Kampfhaltungen findet, geformt. Die Grundstellungen, die anfangs aufs genaueste festgelegt waren, haben sich nun zu einer individuellen Form gewandelt. Sie sind nun nicht mehr die unpraktischen und belastenden Stellungen, sondern sind für den Karateka natürliche Haltungen geworden, die ihm in jeder Situation optimale Beweglichkeit und Stabilität liefern. Die Frage nach dem Sinn der verschiedenen Grundstellungen wird nun leichter verständlich.
Auch das langwierige Verharren in einer tiefen Stellung während des Kihon, das schnelle Drehen um die eigene Achse bzw. das einbeinige Stehen in einer Kata sind wichtige Übungen im Training, die alle ihre Daseinsberechtigung haben. Sie sollen Kraft, Schnelligkeit und Gleichgewichtssinn schulen und dem Karateka die Möglichkeiten geben seinen Körper kennen und beherrschen zu lernen, damit er in jeder Situation optimal reagieren kann. Eines darf nicht vergessen werden, nämlich das Grundstellung in der Regel immer Endstellungen sind. Sie werden vom Karateka in einer Verteidigungssituation nur sehr kurz eingenommen und dann sofort wieder verlassen, damit er nicht zu einem unbeweglichen Ziel wird und sich damit selbst gefährdet.
|
Das Gürtelsystem |
Als die Kampfkunst "To-De" Anfang des 20. Jahrhunderts von Okinawa nach Japan kam, wurde sie in ein festes System gepreßt, in dem zur Unterscheidung der Schüler farbige Gürtel eingeführt wurde. Die Farbgurte (Kyu) werden - mit der Zahl "10" beginnend - rückwärts gezählt. Dabei werden die Gurte mit der Zeit immer dunkler. Außerdem gibt es insgesamt 10 Meistergrade (Dan, schwarzer Gürtel / Schwarzgurt), die vorwärts numeriert werden
Kyu-Graduierungen:
|
Dan-Graduierungen und ihre Bezeichnungen:
|
|
Suchender nach dem Weg |
|
Grad des technischen Experten |
|
|
Schüler am Weganfang |
|
Grade des Wissens |
|
|
Grad des anerkannten Schülers |
|
Grade der Reife |
Sport für Körper und Geist |
Karate wird leider oftmals gleichgesetzt mit Bretterzerschlagen. Dieses Vorurteil entstammt öffentlichen Schauvorführungen, die auf Publikumswirksamkeit abzielen und Karate zur zirkusreifen Artistik erklären. In Wirklichkeit ist Karate jedoch alles anderes als ein Sport für Selbstdarsteller. Im Training und Wettkampf werden Fuß- und Fauststöße vor dem Auftreten abgestoppt. Voraussetzung dafür ist Selbstdisziplin, Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Partner und natürlich eine gute Körperbeherrschung, die im Kihon (Grundschule) systematisch aufgebaut wird. Aufgrund seiner vielseitigen Anforderungen an Körper und Geist ist Karate ideal als Ausgleich zu den Anforderungen des Alltags: Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das macht fit! Mit Entspannungstechniken, Atemübungen und Meditation steigert er seine Konzentrationsfähigkeit und schult die eigene Körperwahrnehmung.
Sport für uns alle |
Ob Ausgleichssport, allgemeine Fitneß oder Selbstverteidigung, Karate eröffnet allen Altersgruppen und Interessenlagen ein breites sportliches Betätigungsfeld.
Karate ist nicht nur spannend für alt und jung. Durch die Vielseitigkeit fördert Karate Gesundheit und Wohlbefinden. Auch deshalb haben sich viele junge und ältere Menschen für diesen Sport entschieden. In den meisten Vereinen gibt es Anfängerkurse, die den Einstieg leicht machen: Stufe um Stufe wachsen Geschicklichkeit und Leistungsvermögen. Die farbigen Gürtel der Budosportarten sind dabei Hilfe und Ansporn.
Wettkampf und Tradition |
Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampfdisziplinen unterschieden: Beim Kumite (Freikampf) stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen, wertbare Stoß-, Schlag- und Trittechniken anzubringen. Die Kriterien sind so gehalten, daß Verletzungen der Kampfpartner ausgeschlossen sind: wer sich nicht daran hält, wird disqualifiziert! Die Disziplin Kata ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken gegen mehrere imaginäre Gegner, die sich aus verschiedenen Richtungen nähern. Man unterscheidet rund 50 verschiedene Kata (im Shotokan: 26 Katas) , deren Ãsthetik im Einklang von Kampfgeist, Dynamik und Rhythmik liegen. Die Kata gleicht einem fremdartigen, faszinierenden Trainingstanz. Im Gegensatz zum Tanz ist der Zweck jedoch nicht die Ãsthetik, als vielmehr Härte und Nutzanwendung für den Kampf. Jede Bewegung hat ihre festliegende Bedeutung, und in jeder Folge liegt die Erfahrung zahlreicher großer Meister.Manche Kata wurde über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben und ist Zeuge der Tradition des Karate.
Jedem Vereinsmitglied ist die Teilnahme an Wettkämpfen und Turnieren freigestellt - ob im Kumite oder in der Kata, das entscheidet jeder selbst!
Karate ab 35 |
Es gibt viele ältere Personen, die viel Interesse an der Kampfkunst wie Karate zeigen, jedoch den Mut verlieren, bei der Vorstellung neben jüngeren zu trainieren und nicht mithalten zu können. Dies ist jedoch nicht nötig, denn Karate bietet für jeden seinen eigenen Weg. Der Weg könnte sein, die körperliche Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit zu verbessern, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Streßbewältigung und/oder erreichen von innerer Ausgeglichenheit und Harmonie oder einfach gesagt, das Wohlbefinden zu verbessern.
Da das Training in recht kleinen Gruppen (max. 10-15 Tln) stattfindet, ist eine gewisse Individualität gewährleistet, um auf jeden einzelnen persönlich einzugehen. Dadurch kann jeder mit seinen eigenen Voraussetzungen die er selber hat mitmachen und durch die Gruppendynamik, die entsteht, sehr viel Spaß erleben.
Selbstverteidigung |
Viele Karateka üben ihren Sport aus, um sich im Notfall selbst verteidigen zu können. Und tatsächlich ist Karate eine wirksame und praktikable Verteidigungsart. Kraft und körperliche Statur spielen in der Karate - Selbstverteidigung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Nur wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen. Deshalb vermitteln spezielle Lehrgänge neben technischen Fertigkeiten auch die psychologischen Komponenten der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung.
Diese Aspekte machen Karate-Selbstverteidigung insbesondere für Frauen und Mädchen interessant.
Notwehr und Nothilfe |
Im § 32 Notwehr StGb nachzulesen auf http://dejure.org/gesetze/StGB/32.html
1. Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
2. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff
von sich oder einem anderen abzuwenden.
Wer sich gegen einem rechtswidrigen Angriff zur Wehr setzt und dabei den Angreifer verletzt, kann wegen Notwehr freigesprochen werden, da er nicht rechtswidrig gehandelt hat.
Die Überschreitung der Notwehr ist nicht strafbar, wenn der Täter in Bestürzung, Furcht oder Schrecken über die Grenzen der Verteidigung hinausgegangen ist.
Eine Verteidigung ist auch dann erlaubt, wen sich der Angriff gegen Ehre und Besitz richtet und nicht unbedingt gegen Leben oder Gesundheit gerichtet ist.
Was ist Karate-Dô? |
1. Was ist Karate-Dô
2. Ursprung des Karate-Dô
3. Entwicklung des Shotokan-Stil
4. Das Schriftzeichen für Karate
5. Wesen der Kampfkunst
6. Entwicklung des Wortes Karate-Dô
7. Der Gruß
8. Die 20 Paragraphen
9. Das An- und Abgruß Ritual
10. Grundstellungen
11. Gürtelsystem
12. Sport für Körper und Geist
13. Sport für uns alle
14. Wettkampf und Tradition
15. Karate ab 35
16. Selbstverteidigung
17. Notwehr und Nothilfe
Shotokan Karate Dôjô Schwenningen
.
Aktualisiert: 28 Januar, 2012.